Viele Menschen mit Übergewicht kennen das Gefühl der Scham. Sie möchten nicht fotografiert werden, meiden Spiegel, Umkleidekabinen oder Situationen, in denen andere ihren Körper sehen könnten. Oft über Jahre. Diese Scham sitzt tief – und sie ist schmerzhaft. Sie kann so stark werden, dass sie das ganze Leben beeinflusst: Beziehungen, Freizeit, Gesundheit und Selbstwert.
Doch Scham entsteht nicht im luftleeren Raum. Sie ist das Ergebnis einer Gesellschaft, die Körper ständig bewertet – und dabei oft hart urteilt.
Woher die Scham kommt
Scham ist eine natürliche Emotion – sie soll uns helfen, soziale Grenzen zu erkennen. Problematisch wird sie, wenn sie durch gesellschaftliche Stigmatisierung verstärkt wird. Übergewicht wird häufig noch immer mit „Faulheit“ oder „Disziplinlosigkeit“ gleichgesetzt, während Schlanksein als Ideal gilt.
Wer solche Botschaften über Jahre hört, beginnt, sie zu glauben – selbst wenn sie falsch sind. Psycholog:innen sprechen dann von „internalisiertem Gewichtsstigma“: Die gesellschaftliche Abwertung wird verinnerlicht.
Diese ständige Selbstkritik führt zu Rückzug, Traurigkeit, Essanfällen oder dem Gefühl, „es sowieso nie zu schaffen“. Scham wird so zu einer unsichtbaren Mauer, die Veränderung erschwert.
Warum Scham das Abnehmen behindert
Viele denken, sie müssten „strenger“ mit sich sein, um Erfolg zu haben. Doch Scham ist kein Motor – sie lähmt. Sie raubt Energie, macht müde und verhindert, dass man sich selbst etwas Gutes gönnt. Wissenschaftlich belegt: Menschen, die sich ständig verurteilen, finden seltener zu stabilen, gesunden Routinen. Erst wer sich respektvoll und freundlich begegnet, kann dauerhaft etwas verändern.
Oder anders gesagt: Selbstakzeptanz ist kein Hindernis beim Abnehmen – sie ist die Voraussetzung.
Was helfen kann, wenn Scham das Leben bestimmt
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Verstehen, dass Scham gelernt ist – nicht angeboren.
Niemand wird mit Scham über seinen Körper geboren. Sie entsteht durch wiederholte negative Erfahrungen und Urteile von außen. - Schrittweise Annäherung statt Vermeidung.
Vielleicht ist ein Ganzkörperfoto heute zu viel – aber ein Blick in den Spiegel mit wohlwollendem Blick ist ein Anfang.
Veränderung beginnt oft mit kleinen Gesten des Respekts sich selbst gegenüber. - Selbstmitgefühl üben.
Es klingt ungewohnt, aber Mitgefühl lässt sich trainieren.
Frage Dich: Was würde ich einer Freundin sagen, die sich so über sich denkt? – und sag es Dir selbst. - Unterstützung suchen.
Der Austausch mit anderen – etwa im Precon Forum – kann entlasten.
Wer merkt, dass er nicht allein ist, kann beginnen, offener über Scham zu sprechen.
Auch professionelle Begleitung (z. B. durch Psycholog:innen) kann helfen, alte Denkmuster zu lösen. -
Kleine Erfolge anerkennen.
Jeder bewusste Spaziergang, jede Mahlzeit, die Du aus Fürsorge statt Frust wählst, ist ein Fortschritt – selbst wenn er unsichtbar bleibt.

Was sich gesellschaftlich ändern muss
Solange Gewicht mit Wert verwechselt wird, bleibt Scham ein Problem. Gesundheit bedeutet nicht Perfektion, sondern Wohlbefinden, Energie und Lebensfreude. Menschen verdienen Respekt – unabhängig von ihrer Körperform. Deshalb steht bei Precon im Mittelpunkt: Unterstützung statt Bewertung, Verständnis statt Druck.
Der Weg zu echter Veränderung
Scham ist kein persönliches Versagen, sondern eine Last, die viele tragen, weil unsere Gesellschaft Körper unbarmherzig beurteilt. Aber Scham ist veränderbar – Schritt für Schritt. Wer sich erlaubt, milder mit sich zu werden, öffnet den Weg zu echter Veränderung: Nicht aus Angst, sondern aus Selbstfürsorge. Und das ist der stärkste Anfang überhaupt.




